Aaretour von Wohlensee nach Waldshut mit drei C-Gig Booten

Chriesi

Juhui, ich darf mit auf die Aare-Fahrt vom Wohlensee bis nach Waldshut in Deutschland, 164 Kilometer auf dem längsten Fluss innerhalb der Schweiz und dann noch 3 Kilometer im nahen Deutschland zum Auswassern. Geduldig warte ich auf dem Anhänger bis mich beim RC Bern meine Mannschaft in Empfang nimmt. Bootschef ist Pesche, den kenne ich gut, er hat mich kürzlich aufgepeppt und ich verdanke ihm meine neue Beliebtheit im See-Club. Weiter dabei sind Anna, Vera, Ruben und Hanna, ab und zu ersetzt Regula F. jemanden aus meiner Crew.  Nach einer ruhigen Fahrt vorbei an den Sandbänken durch den Wohlensee sitze ich plötzlich im Lift hinunter auf die Aare. Ruderboot und Liftfahren, hui ist das ein Feeling!

Das Ein- und Auswassern während der Tour ist nicht immer einfach, aber alle geben Acht, dass mir nichts passiert, auch wenn das Restwasser etwas wild daherkommt. Im Bielersee versuche ich so gut als möglich meinen Motor vor den Südwestwind-Wellen zu schützen, nur der Bremsenstich von Ruben bringt ihn zum Stottern. Am zweiten Tag darf ich die Störche in Altreu besuchen und im RC Solothurn Mittagspause machen. Abendruhe gibt es in Wangen an der Aare, wo ich mich still auf meinen Böckli verhalte, während um mich herum der Städtlilauf vorbeifegt. Meiner Mannschaft wird das Abendessen mit Guggenmusik serviert.

Am dritten Tag grüssen wir auf einer Brücke den Caballero auf seinem Schimmel, der uns nach Rubens Zuruf sämtliche Gangarten der spanischen Hofreitschule vorführt. Diese eleganten Gangarten setze ich gleich darauf im Wolfwiler Laufen ein, wo mein Steuermann und ich das Team nicht ganz trocken aber sicher zum Mittagshalt im RC Aarburg bringen. Nach dem Mittagessen stören wir beim Auswassern eine Schwanenfamilie und werden prompt wütig angegriffen. In Aarau geht der dritte Tag zu Ende und ich übernachte auf dem Anhänger, um meiner Mannschaft zweimal Ein- und Auswassern in kurzem Abstand zu ersparen. Der letzte Tag bringt die Passage durch die Aareschlucht bei Brugg.

Vorsichtshalber kriege ich einen Verband ums spröde Holz meines Steuers verpasst, damit auch nichts in die Brüche geht. Dass der KW-Mitarbeiter beim Boote-Umtragen Anna mit Schauermärchen schreckt, wäre eigentlich nicht nötig.Anna schildert: «Auf meine kritische Nachfrage hin, rückte der Kraftwerkswärter heraus mit seinen Be- und Erfahrungen im Schlüchtli von Brugg. Ein einziges Mal sei er durch die Schlucht gefahren - mit dem Motorboot... Einmal und nie wieder! Es hätte unterspülte Felsen und ab und zu wären da Menschen verschwunden und nicht mehr aufgetaucht. Aber in den letzten Jahren sei das kaum noch vorgekommen. Mit diesen aufbauenden Worten hiess die Devise: Augen halb zu, volle Konzentration auf unseren erfahrenen Steuermann Pesche und seine Frau Hanna am Schlag, die nichts aus der Ruhe brachte. So wurden wir von den beiden sicher durch die Wellen manövriert.» Die vielen Zuschauer auf der Brugger Brücke entpuppen sich als Vrenis Familie, die den Spektakel eifrig mitverfolgen und uns beim Mittagshalt überraschen. Am Nachmittag schwimme ich im Wasserschloss und geniesse nacheinander die Zuflüsse von Reuss und Limmat bis in die Schleuse Beznau.  Dort überrascht mich Rubens sonore Stimme, der mir doch tatsächlich ein Chriesi-Lied singt. Dies macht mich mächtig stolz und nimmt mir die Angst vor dem schwarzen Loch. Es folgt eine Kurve in den Rhein, wo bald die Reise auf Wasser zu Ende geht. Schön war’s!

Vielen Dank an Tourenleiter René, dass ich mitgehen durfte und an Vreni, die als gute Fee meine Mannschaft herrlich verköstigte.

Euer Chriesi

 

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Flaneuse                                                                                                                    

Flussrudern ist nicht gleich Rudern auf einem stehenden Gewässer. Das war mir aus eigener Erfahrung bekannt. Was uns aber die Aare zur Veranschaulichung dieser Tatsache bot, war bemerkenswert und wird unvergesslich bleiben. 

Die Einteilung der Boote wurde von Rene für die ganze Rudertour gesetzt, ein Bootschef bestimmt und die auf Rudertouren sonst übliche  Rochade ausgesetzt. Wir ahnten, dass dies Gründe haben könnte und wurden nicht enttäuscht. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen galt es für Rene, die beiden anderen Steuerleute, Pesche und Gregi Hotz, nach der Tagesetappe nochmals in den Bus zu bitten um mit ihnen die kritischen Stellen des nächsten Tages vor Ort und bei aktuellem Wasserstand in Augenschein zu nehmen. Auf diese vorausschauende und verantwortungsvolle Weise waren alle Steuerleute bestens auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet und konnten uns souverän durch die schnellen, lauten, weil rauschenden, Passagen steuern.

Es hat Spass gemacht, in einem Ruderboot kurz an meine vor zwei Jahren erlebte River RaftingTour auf einem unruhigen Gummiboot in den amerikanischen Bergen erinnert zu werden. Ein Spass war es aber nur deshalb, weil wir Ruderer uns strikte an die von Gregi befohlene Anweisung: ZIEH – ZIEH – ZIEH hielten und Gregi das Boot so auf Kurs halten konnte.

Wie immer, wenn Rene Rudertouren organisiert, scheint er auch den Kontakt zu Petrus im Vorfeld zu pflegen, sodass ideale Wetterverhältnisse herrschten und uns die Aaretour in jeder Beziehung in bester Erinnerung bleiben wird.

Herzlichen Dank euch tapferen Steuerleuten, denn ohne euch, eurer Erfahrung und langjährigen Expertise, wäre eine solche Flusstour nicht möglich.   

Regula Schärer

 

Take Five – riverraftingtauglich

Ja, da kriegt man was geboten, wenn man sich mit dem SCZ auf fremde Gewässer wagt. Nun, dieser kurze Bericht ist wohl nicht ganz objektiv, stammt er doch aus der Feder eines schwer beeindruckten Neulings. Der Schreiberling hat ja vor kurzem erst den Einführungskurs mehr oder weniger erfolgreich absolviert, notabene zu einem schönen Teil auf concept2-Marterinstrumenten, da die garstigen Wind- und Wasserverhältnisse des Öfteren nicht zuliessen, das wertvolle Rudermaterial den mehr oder minder unbeholfenen Ruderversuchen der Einsteigerinnen und Einsteigern auszusetzen. Aber das ist ein anderes Kapitel. Immerhin mag das vorliegende Berichtchen dem einen oder der anderen wieder vor Augen führen, wie es dann mal war, als sie die ersten Male in die Ruder oder Riemen griffen.

Dank einem mir glücklich gesinnten Schicksal – cherchez la femme – wurde ich in ein Boot mit lauter Halbprofis gesetzt, mir kamen Monica, Regula, Cécile, René und Gregor ja häufig eher wie Profis vor. Ich zweifle nicht daran, dass ich in anderen Booten ähnliche Verhältnisse angetroffen hätte. Und das schreibe ich jetzt nicht um genügend Referenzen zu ergattern, die mich aus dem Status des Anwärters katapultieren sollen. Aber ich lasse jetzt die rudertechnischen Details mal weg, da ich da als Rookie eh noch gefordert bin und meine Mitcrew ja keine Lobhudeleien nötig hat.

Was also war denn nebst dem Rudern noch so beeindruckend? Die wunderschöne Aarelandschaft, das Umsetzen der Boote in mannigfaltigster Weise – Schleusen, Lifte, Transportbähnli und -gefährte - hat ja wohl jede und jeder in eigener Weise genossen und bestaunt. Dass dann auf und neben dem Boot auch noch kulinarisch einiges geboten wurde, hat mich Schleckmaul natürlich vollends erfreut: Da waren die 5-Sterne- Zwischenverpflegungen Vrenis oder das Kirschenessen unter lauschigen Bäumen – ja mit «meiner» Crew war gut Kirschen essen – nur zwei von einigen Höhepunkten.

Die absolut perfekte Organisation Renés von der Planung über die Unterkünfte bis zu den Briefings mit äusserst genauen Unterlagen und Angaben haben mich sehr beeindruckt. Dass ich trotz genauer Angaben als Steuermann eher eine Auto-Ideallinie, denn eine den Strömungen geschuldete Spur wählte, wurde mir grossherzig verziehen. Immerhin meisterten wir denn auch zwar mit dem angebrachten Respekt die bewegten Wasser auf dem Bielersee und einige Wilde-Maus-Ritte in diversen Stromschnellen der Aare. Zwar manchmal etwas feucht, aber insgesamt mit Bravour. Apropos feucht: Das gelang auch noch auf andere Weise, zum Beispiel durch Fehltritte beim Aussteigen, durch Schwitzen, ja einigen gelang das gar im Ausgang und zwar nicht nur durch das Applizieren eigens zur Abkühlung bereitgestellten Schnees. Wie Figura zeigt ist es auch beim Schneeballwerfen mit der Technik ähnlich wie beim Rudern: Es hat so jede und jeder seinen eigenen Stil – was mich als Neuling doch immerhin ein wenig beruhigte.

Insgesamt eine runde Sache, 99 von 100 Punkten und der eine Punkt ist einzig und alleine meinen Blasen an den Händen geschuldet. Empfehlen kann ich den Anlass allerdings niemandem - wenn das nämlich zu viele merken, wie cool so eine Reise ist, hat es «ämänd» ein anderes Jahr zu viele Anmeldungen.

Ernst vulgo äschi